Pilgerwegerkenntnisse

„Lass das Kind mal machen“ – Jakobswegerkenntnisse

Hier kannst du dir meinen Podcast anhören, wenn du mir lieber zuhörst.

„Lass das Kind mal machen… “ – Jakobswegerkenntnisse

Hallo, ich grüße Dich, wenn du mir heute wieder zuhörst oder meine Zeilen liest.

(Der kommende Text ist der gleiche Text, wie im Audio)

Mein Name ist Andrea Löffler. Ich betreibe den „Raum für dein Leben“, bin Gestalttherapeutin, Sängerin und Expertin für Gewahrsein. Ich möchte dir heute etwas darüber erzählen, dass ich ungefähr jetzt ein Jahr nachdem ich auf dem Jakobsweg war verstehe, was der Grund oder der tiefere Sinn ist, auf den Jakobsweg zu gehen.

Als ich das letztes Jahr um diese Zeit geplant habe, hatte ich eigentlich überhaupt keine Ahnung, was der tiefere Sinn sein wird. Ich hatte einfach nur Lust zu laufen bzw. ich wusste, dass ich frei habe im August und dass ich in der Zeit etwas für mich machen will. In den Jahren davor bin ich weit gereist. Ich bin nach Lombok geflogen, das ist bei Bali und hab auch andere Sachen gemacht alleine. Irgendwie hat es mich auf den Jakobsweg gezogen, ich habe aber keine Ahnung gehabt, wieso.

Im August bin ich dann gelaufen und hatte zwei Wochen eine richtig gute Zeit und gleichzeitig aber auch unglaublich viele Schmerzen, weil ich mich überfordert hatte direkt zu Beginn und weil ich mir Blasen gelaufen hatte, die natürlich nicht oder schlecht abheilen konnten. Ich hatte trotzdem eine gute Zeit und ich habe zu dem Zeitpunkt gemerkt, dass wenn ich alleine unterwegs bin, ich mich selbst organisieren muss und die wichtigste Erkenntnis für mich damals war: Wenn ich nicht weiter weiß, setz‘ ich mich erst mal hin und orientiere mich. Und dann geht es irgendwie weiter. Und noch eine weitere Erkenntnis war: Es geht irgendwie immer weiter und es begegnet dir auch immer etwas, was dich weiterbringt. Das war damals meine Haupterkenntnis, zu dem Zeitpunkt als ich gelaufen bin.

Danach bin ich nach Hause gekommen, in meinen Alltag so langsam wieder reingerutscht und natürlich wieder voll gelebt. Und immer wieder habe ich mich gefragt: Was war jetzt das, was so besonders gewesen ist? Wofür habe ich das jetzt getan? Ich habe den tieferen Sinn selbst nicht ganz verstanden. Ich hatte in der Zwischenzeit auch ein Interview mit der lieben Marlene. Auch dort habe ich gemerkt: Ja, ich kann darüber erzählen aber so eine tiefe Verbindung dazu habe ich nicht. Das ist eher so wie „weg“. Ich denke daran gerne zurück, wie an einen Urlaub. Auch die Schmerzen hatte ich in der Zwischenzeit vergessen. Diese tiefe Verbindung zu der Reise an sich, hatte ich noch nicht erfasst.

Unangepasst, um Erfahrungen zu machen

Jetzt haben wir Mai, es ist fast ein Jahr her, dass ich auf dem Weg war. Gestern hatte ich eine sehr intensive Erkenntnis, die mit meiner Arbeit und der Kooperation zu tun hat, die ich mit meiner Geschäftspartnerin und Freundin Claudia Götz habe. Und es hat etwas mit dem Jakobsweg zu tun.

Die Weisheit meines Vaters

Jetzt muss ich mal ein bisschen ausholen, denn da fällt mir mein Vater ein, der zu meiner Mutter immer gesagt hat: „Lass dat Kind mal machen, es wird schon für irgendwas gut sein.“ Denn als Kind oder Jugendliche habe ich oft Dinge getan, die eher unangepasst waren, die aber wichtig für mich waren. Oft wusste ich selbst nicht wofür es wichtig war, aber jetzt weiß ich es. Damit ich eben auch in tiefe Tiefen gehen kann, um immer mehr in mich hineinzugehen, um immer weiter aus mir herauszukommen. Irgendwie hat mein Vater das damals auch schon geahnt oder gewusst. Und meiner Mutter, die oft sehr aufgeregt und aufgewühlt war durch meine Taten, möchte ich an dieser Stelle dafür danken, dass du mich immer ausgehalten hast und auch danke Papa, dass du das damals schon gesehen hast.

„Lass das Kind mal machen, es wird schon für irgendwas gut sein.“. Das kam mir gestern auch in den Sinn, als ich ein Coaching zusammen mit Claudia gemacht habe, wo wir über unsere Vision und unsere Zusammenarbeit gesprochen haben. Dabei haben wir unsere unterschiedlichen Stärken entdeckt und haben angefangen zu begreifen, dass diese unterschiedlichen Stärken sich sehr ergänzen und uns nicht im Weg stehen. Sondern dass wir uns damit sogar bestärken. Und meine Stärke ist es, an etwas dranzubleiben und kontinuierlich zu sein, in einer achtsamen Art und Weise.

Meine Stärke ist es, wie auf dem Jakobsweg, mich erstmal hinzusetzen, mich zu orientieren, zu atmen, solange zu warten bis ich weiß, wie es weitergeht und dann – weitergehe. Dieses Bild, wie ich auf dem Jakobsweg gehe, war gestern sehr intensiv da und es hat plötzlich eine starke Verbindung in mir gegeben zu diesem Weg, den ich gegangen bin im letzten Jahr. Ich bin kontinuierlich, Schritt für Schritt weitergegangen und wenn ich nicht weiterwusste, habe ich mich erst einmal hingesetzt und mich gesammelt, orientiert und bin dann weitergegangen. Und manchmal habe ich mir auch Hilfe geholt. Dann habe ich Menschen gefragt: „Wo geht’s denn hier lang?“ oder „Können Sie mich ein Stück mitnehmen?“ oder „Haben Sie einen Schluck Wasser für mich?“. Auch das habe ich mich getraut auf dem Jakobsweg. Für mich wäre das im Alltag undenkbar gewesen, Menschen auf der Straße einfach so anzusprechen.

Diese guten Erfahrungen, die ich gemacht habe, Menschen zu begegnen die freundlich sind, weil ich sie um etwas bitte, weil ich sie frage. Das hat mich wirklich geprägt im letzten Jahr, weiterzugehen, zu fragen, nach Hilfe zu bitten, nach Unterstützung und achtsam Schritt für Schritt weiterzugehen.

Da kommt mir wieder mein Vater in den Sinn: „Lass das Kind mal machen, es wird schon für irgendwas gut sein.“ Wenn ich das jetzt spreche merke ich, wie ich einen Kloß im Hals habe, weil ich so eine Dankbarkeit spüre, dass das schon mein Vater gesehen hat. Die Dinge die ich tue, sind immer für irgendetwas gut.

Den Sinn erkennt man oft erst später

Es macht einen Sinn, auch wenn ich den Sinn nicht sofort erkenne. Es dauert vielleicht eine Zeit, bis meine Seele hinterherkommt oder mein Seelenwissen hinterherkommt, aber es wird immer für etwas gut sein, was ich tue.

Worin erkennst du den Sinn?

Vielleicht kannst du das auch auf dich und deine Taten übertragen. Alles was du tust in deinem Leben, ist für etwas gut. Vielleicht kannst du das Gute in dem Moment noch nicht erkennen. Vielleicht kannst du es schon ahnen oder es ist noch überhaupt nicht sichtbar. Vielleicht kannst du den Sinn und das Gute in dem was du tust, oder was dir widerfährt, erst sehr viel später erkennen.

Ich danke Dir, dass du mir zugehört hast und hoffe, dass du eine Inspiration dadurch erhalten hast. Vielleicht kannst du deine eigenen Geschichten darauf übertragen.

Ich wünsche dir jetzt einen wunderschönen Tag und freue mich darüber, wenn wir uns wieder hören, lesen, sehen und einfach in Kontakt zu sein mit Dir!

Hab’s gut. Alles Liebe.

Deine Andrea

11 Gedanken zu “„Lass das Kind mal machen“ – Jakobswegerkenntnisse

  1. Marlene Zöller-Borggreve

    Liebe Andrea, danke für diesen Text, er hat mich sehr berührt.Ich habe den Text gelesen und mir kamen die Tränen, weil ich an meinen Opa denken mußte, der auch sowas ähnliches gesagt hat, wie dein Vater. Ja vieles macht erst nach Jahren einen tieferen Sinn. Das wird heute und die nächsten Tage in mir arbeiten was er gesagt hat, ich komme noch drauf. DANKE!!!

    1. Andrea

      Liebe Marlene,
      hach wie wunderbar, dass du dich so berühren lässt. Ich bin sicher, es fällt dir zu, was er gesagt hat. Teile es gern mit mir, wenn du magst.
      Alles Liebe zu dir.
      Andrea

  2. Claudia

    Liebe Andrea, was für ein berührender Artikel. Vielleicht bewegt er mich deshalb so sehr, weil mir durch deine Erkenntnis nochmals mehr deine Stärken bewusst wurden, die einen so großen Wert in sich tragen.

    Inzwischen ist das Kind von damals eine erwachsene und wache Frau geworden. Sich ihrer selbst bewusst, ihrer Stärken, ihrer Schwächen. Ich erlebe täglich, wie du an dir arbeitest. Wie du unermüdlich deinen Pilgerweg weitergehst. Jeden Tag.

    Die Blasen und die Schmerzen werden weniger. Immer deutlicher wird der Weg, die Schätze, die am Wegesrand liegen. Das Wetter klart auf….ich bin glücklich, dass ich durch unsere Kooperation und unsere Freundschaft ein Teil des Weges bin, den du gehst. DANKE für dein Sein!

    Herzbewegt, Claudia

    1. Andrea

      Liebe Claudia,
      deine Worte bewegen mir sehr! Sie berühren mich tief! Danke dir so so sehr für ALLES!
      Deine Andrea

  3. Anja

    Liebe Andrea, so bewegend geschrieben und ich musste spontan an die gestrige Gesangsstunde denken und an unser Gespräch und habe mich da ein Stück weit auch wiedergefunden. Und dieser Text macht mir gerade sehr bewusst, was ich an Stärke habe und dass auch ich meinen Weg gehe, Schritt für Schritt. Und auch wenn mein System hin und wieder durch (vermeintliche) äußere Umstände durchheinander gerät, weiß ich, dass es Menschen wie dich gibt, die mir dann helfen. Danke für DICH!

    1. Andrea

      Liebe Anja,
      ich freue mich sehr, dass ich ein Stück deines Weges mit dir gehen darf. Toller Weg, Dein Weg!
      Liebe Grüße
      Andrea

  4. Melanie

    Liebe Andrea,
    Danke, dass Du uns teilhaben lässt an Deiner Entwicklung.
    Ich mag es sehr Deiner Stimme im Podcast zu lauschen. Ich freue mich auf mehr!
    Alles Liebe zu Dir,
    Melanie

  5. Super Sabine (Sabine Krink)

    Danke, Andrea, für diese schöne Inspiration und das Teilen deines Erlebens mit dem Jakobsweg und seines erst später erkannten Sinns.

    Ich erlebe das selbst genauso für mich. Wenn ich mich nicht entscheiden kann oder nicht eindeutig und in aller Klarheit weiß, was JETZT zu tun ist, dann setze ich mich wahrhaftig hin und warte. Bis ich es weiß. Ich gehe nicht drüber hinweg oder lasse mich inzwischen auch nicht mehr durch mein Umfeld verunsichern, das eine Entscheidung haben möchte, wenn ich sie noch nicht habe. Daran erinnert mich dein Artikel hier.

    Es ist mein Leben und folglich sind es meine Schritte, die Auswirkungen haben werden und für die ICH die Verantwortung trage. Also ist es auch meine Entscheidung, wann ich gehe und wohin. Ich finde das sehr wichtig. Und tatsächlich wurde auch bei mir der Stein dazu in der Kindheit gelegt. Wenn ich zu meiner Mutter sagte, dass mir langweilig wäre und erwartet habe, sie animiert mich jetzt zum Spielen, sagte sie nur: „Dann setz dich hin und warte, bis dir nicht mehr langweilig ist.“ Das fand ich als Kind doof 😉 Rückblickend war das sehr schlau von ihr, mir meine Verantwortung für meine Zeit an mich zurück zu geben.

    Danke für dein Wirken – auch durch solche Beiträge (ich hab ihn gelesen, nicht gehört 😉 ).
    Herzensgruß
    Sabine

  6. Gabi Grosmann

    Alles in unserem Leben ist für irgendetwas gut. Der Sinn erschließt sich oft erst viel später. Manchmal auch gar nicht. Annehmen was ist und Vertrauen in die eigene Kraft finde ich so wichtig!

    1. Andrea

      Liebe Gabi,
      stimmt! Davon erzähle ich im Podcast.
      Danke, dass du dir dir Zeit genommen hast, zu lesen oder/und zu hören.
      Liebe Grüße
      Andrea

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